Bleistift und Pinsel in Braun auf Bütten, rückseitig Baumreihe mit Feder und Bleistift, 150 x 206 mm.
Auf dem Montagebogen
eigenhändig bezeichnet "beym Neudecker Garten in der Au". Alt von fremder Hand angefügt "v. Dillis". Rückseitig die Nummer 8/27.
Auf Karton mit blaugrau aquarellierter Umrandung alt montiert. Minimaler Abriß an der linken unteren Ecke, ansonsten von tadelloser Erhaltung.

Nach einer anfänglichen theologischen Ausbildung beschloß Dillis sich ganz der Kunst zu widmen. Als Museumsmann im Dienste der Bayerischen Sammlungen und als Künstler ist er eine bedeutende Gestalt des Münchner Kunstlebens. Sein immenses zeichnerisches OEuvre zeugt von einer ungewöhnlich frischen Beobachtungsgabe. Die Landschafts- und Porträtzeichnungen dürfen zu den Höhepunkten der deutschen Kunst um 1800 gezählt werden.
Zwar besitzt für Georg von Dillis das Erlebnis der italienischen Landschaft einen hohen Stellenwert, aber er wird auch als Begründer der Münchner Landschaftsschule angesehen. In letzteren Bereich gehören seine Darstellungen aus Oberbayerm und auch der Münchner Au. Hier fehlen nicht die Gartenlokale, die für das öffentliche Leben seit jeher von Bedeutung waren. Der Neudecker Garten war der Ausschank beim Paulaner-Kloster und erfreute sich einer großen Beliebtheit.
In den 80er und 90er Jahren pflegte Dillis besonders die von dem Vorbild Claude Lorrains angeregte Tuschmanier in braunen Bister oder Sepiatönen, die der Landschaft eine Erinnerung an das Claud'sche Licht verleihen. Die Landschaften im "Liber Veritatis" von Claude Lorrain, die Richard Earlom durch seine Reproduktionen bekannt gemacht hatte, wurden von Dillis genau studiert und teilweise zu eigenen Motiven umgeformt.
Die Claude Lorrain Straße an der Au nahe am ehemaligen Neudecker Garten verweist noch heute auf die Verbindung des Münchner Landschaftsraums und der Lorrainschen Ideallandschaft, die durch Georg von Dillis vielfältig und auf hohem Niveau verkörpert wurde.

Armin Zweite (Hrsg.): Münchner Landschaftsmalerei 1800-1850. München 1979 (=Katalog Städtische Galerie im Lenbachhaus).
Katrin Pollems: Johann Georg von Dillis. Zeichnungen und Aquarelle aus den Sammlungen des Historischen Vereins von Oberbayern im Stadtarchiv München. München: 1989.
Gisela Scheffer, Paul Ernst Rattelmüller: Volkstracht und Landschaft in Altbayern. Ihre Entdeckung um 1800 durch Johann Georg von Dillis und seine Zeitgenossen. München 1991 (=Katalog Staatliche Graphische Sammlung München).
Christoph Heilmann (Hrsg.): Johann Georg von Dillis. Landschaft und Menschenbild. München: Prestel-Verlag 1991.

 

Georg von Dillis
1759 Grüngiebing -
1841 München

Beim Neudecker Garten, 18. Jh.
Baumreihe (rückseitig)